Zerstörungsfreie Prüfverfahren für Auffangwannen im Überblick
Sichtprüfung, Eindringprüfung, Magnetpulver-, Ultraschall- und Dichtheitsprüfung im Vergleich – und wie sich diese Verfahren zur wiederkehrenden WHG-Prüfung von Auffangwannen verhalten.
Direktantwort: Bei der Prüfung von Auffangwannen kommen je nach Situation unterschiedliche Verfahren zum Einsatz. Für die reguläre WHG-Prüfung nach AwSV sind Sichtprüfung, Funktionsprüfung und Dichtheitstest maßgeblich. Ergänzend werden bei der Fertigung, nach Reparaturen oder bei kritischen Schweißnähten zerstörungsfreie Prüfverfahren wie die Eindringprüfung (Rot-Weiß-Prüfung), Magnetpulver- oder Ultraschallprüfung eingesetzt.
Die wichtigsten Verfahren im Vergleich
| Verfahren | Was wird geprüft | Norm | Einsatz bei Auffangwannen |
|---|---|---|---|
| Sichtprüfung (VT) | Äußerlich erkennbare Mängel, Korrosion, Verformung | DIN EN ISO 17637 | Fester Bestandteil jeder Betreiberkontrolle und WHG-Prüfung |
| Eindringprüfung / Rot-Weiß-Prüfung (PT) | Oberflächenoffene Risse und Poren an Schweißnähten | DIN EN ISO 3452-1 | Fertigungsbegleitend, nach Reparaturschweißungen, bei kritischen Nähten |
| Magnetpulverprüfung (MT) | Oberflächen- und oberflächennahe Risse bei ferromagnetischem Stahl | DIN EN ISO 9934 | Alternative zur Eindringprüfung bei unlegiertem/niedriglegiertem Stahl, nicht bei Edelstahl (austenitisch) |
| Ultraschallprüfung (UT) | Wanddicke, innenliegende Fehler, Materialabtrag durch Korrosion | DIN EN ISO 16810 | Wanddickenmessung bei älteren Stahlwannen im Rahmen der Sachverständigenprüfung |
| Dichtheitsprüfung | Dichtheit der gesamten Wanne (Wasser-/Drucktest) | StawaR / AwSV-Praxis | Kernbestandteil der wiederkehrenden WHG-Prüfung |
Wann wird welches Verfahren eingesetzt?
- Bei der Fertigung: Schweißnähte werden häufig per Sichtprüfung und – bei kritischen Nähten oder Sonderkonstruktionen – zusätzlich per Eindringprüfung kontrolliert.
- Bei der wiederkehrenden WHG-Prüfung: Sachverständige führen Sicht-, Funktions- und Dichtheitsprüfung durch; Wanddicken werden bei älteren Wannen teils per Ultraschall kontrolliert.
- Nach Reparaturen: Reparaturschweißungen werden vor Wiederinbetriebnahme oft gezielt per Eindring- oder Magnetpulverprüfung freigegeben.
- Bei Auffälligkeiten: Werden bei der Sichtprüfung Unregelmäßigkeiten an einer Naht entdeckt, kann eine vertiefte Einzelprüfung wie die Rot-Weiß-Prüfung folgen.
Eindringprüfung vs. Magnetpulverprüfung
Beide Verfahren finden oberflächenoffene Risse und werden oft verwechselt. Der entscheidende Unterschied liegt im Werkstoff: Die Magnetpulverprüfung funktioniert nur bei ferromagnetischen Materialien wie unlegiertem oder niedriglegiertem Stahl. Austenitischer Edelstahl (z. B. 1.4301, 1.4404, 1.4571), wie er bei hochwertigen Edelstahl-Auffangwannen verwendet wird, ist nicht ferromagnetisch – hier ist die Eindringprüfung das Verfahren der Wahl. Für gemischte Fertigungen mit Stahl- und Edelstahlkomponenten wird deshalb häufig auf die universeller einsetzbare Rot-Weiß-Prüfung zurückgegriffen.
Was Betreiber daraus mitnehmen sollten
- Die reguläre WHG-Prüfung und zerstörungsfreie Werkstoffprüfverfahren sind unterschiedliche Ebenen – aber sie ergänzen sich sinnvoll.
- Prüfberichte zu Schweißnahtprüfungen (z. B. Eindringprüfung) gehören mit in die technische Dokumentation der Anlage.
- Bei Sonderkonstruktionen oder gemischten Werkstoffen lohnt die Rückfrage, welches Prüfverfahren beim Hersteller eingesetzt wurde.
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